Fotografie und…

             Voyeurismus

amy camden bearbeitet 1

Im engeren Sinn bezeichnet der Begriff Voyeurismus

das heimliche Beobachten einer unwissenden Person und ist im weiteren Sinn

jegliche Form der Lust am Betrachten.

        

           

Dokumentation

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Erinnerung         

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Das erste Bild entstand im Londoner Stadtteil Camden, den man im weitesten Sinne als das Hippie- Viertel bezeichnen könnte. Es lohnt sich immer sich dort umzusehen. Am besten im Sommer …oder dem was man in England für Sommer hält.Und am besten mit Kamera.

In eben einem Solchen, der sich mit fast 30 Grad als die sprichwörtliche Ausnahme von der Regel darstellte , entstand das zweite Foto . Ein Foto, das ich,hätte mich nicht der Voyeurismus getrieben ,so nie geschossen hätte. Was sich kurioser Weise als letztes seiner Art darstellen sollte. Denn dieses Schild wurde gestohlen kurz nach der Aufnahme. Und schon während dem Diebstahl war es nicht mehr so zu sehen und wird es auch nie mehr sein.

Denn ganz in der Nähe dieses Schildes ereignete sich etwas, das zuerst dessen Wandel und dann sein Verschwinden verursacht hat.

Während wir durch Londons buntestes Viertel schlenderten ist ein Mensch gestorben. Sicherlich nicht nur dieser Eine . Aber diesem war ich so nah. Räumlich gesehen, war ich wohl manch anderem toten Körper näher als diesem nur waren diese Verstorbenen keine öffentliche Person, noch wurde ihr Tod öffentlich gemacht.Die Anderen gingen, jedenfalls aus meiner Perspektive heimlich.

Eben diese Person, die meinen Lebensweg unfreiwillig kreuzte war wohl oft im Leben auf der Suche nach etwas , einem kleinen Stück eben dieser Heimlichkeit, die die anderen für mich unbemerkt ausradiert hat.

Und zugleich war diese Ihr erklärter Feind. Bekannt , gehört werden wollte sie.

Und selbst, als sie keinen eigenen Willen mehr äussern konnte kamen sie . In Scharen.Wie gerufen.

Auch wir haben unseremVoyeurismus nachgegeben und ich habe abgedrückt. Es war ein seltsames Gefühl. Diese befremdliche Trauer um diese mir wohlbekannte Fremde, deren Musik ich kannte und deren Abstürze einem beinahe täglich medial ums Ohr flogen. Das leise Aufbegehren der Scham angesichts der Dokumentation und dem Konsum eines solch intimen Ereignisses wie dem Tod.

Da wir schon früh da waren , hatte sich nur eine überschaubare Menschentraube an der kleinen Allee  gegenüber ihres, durch Polizei bewachten Wohnhauses versammelt. Es herrschte eine beinahe ehrfürchtige Stille, die nur ab und an durch leises Geflüster, ein Schluchzen oder häufiger durch das  Rascheln der Zellophanfolie (immer wenn der nächste letzte Gruss niedergelegt worden ist)unterbrochen wurde.

Die Medien, die diesen ihren mit Sicherheit tiefstmöglichen Absturz auch auf keinen Fall verpassen wollten, hatten die komplette Strasse zugeparkt und ihre Antennen und Kameras auf die mit schlichten IkEa – Rollos behangenen Fenster ausgerichtet.

Das fiel mir jedenfalls zuerst auf. Schlichte Rollos, ein Haus wie jedes andere in dieser langen Strasse. Lediglich die Kamera und die Scheinwerfer an der Fassade störten diesen Eindruck.Offene Gegend in der man auch ganz normale Menschen trifft, wie Amys entfernten Nachbarn Dave , der an diesem sonnigen Tag die Strasse kehrte und uns erzählte er habe sie selten gesehen. Er empfände wohl schon so eine Art Betroffenheit , aber der Wirbel um diese destruktive Person sei ihm vollkommen unverständlich. Er war quasi der Voyeur desVoyeurismus .

Ich konnte sein Empfinden verstehen. Natürlich gibt es immer die andern, die es besser gemacht haben, ja besser gelebt haben. Eben eine Frage der Perspektive. Und natürlich war sie anders als die andern, aber  dennoch anders als jeder andere eben auch anders ist.

Sie war berühmt und sie brauchte den Voyeurismus ebenso wie dieser sie brauchte. Was bleiben wird sind Erinnerungen. Heimliche und öffentliche.

Erinnerungen schaffen, das war der eigentliche Grund unseres Londontrips. Oder ist es doch eher Voyeurismus eine Band live sehen zu wollen …..

Ich glaube beides trifft zu.

Das dritte Foto entstand beim ATP- Festival mit dem wunderschönen Motto I´ll be your mirror. Fast schon prophetisch im Hinblick auf diesen Post. ist ein Spiegel doch der  Inbegriff des Voyeurismus.

Wir wollten eine schöne Zeit zusammen haben, an die man sich gerne erinnert und wir wollten sie sehen. Diese aussergewöhnliche Band und ihre fast schon morbit anmutende Sängerin, die ihre Stimme in unnachahmlicher                  Weise in die Melodie integriert. Immer hörbar aber nie übertönend dominant. Die ihr Gesicht hinter ihren Haaren verbirgt und meist mit dem Rücken zum Publikum steht.Die faszinierende Beth Gibbons von PORTISHEAD. Jeder der einmal die Gelegenheit hat, diese Gruppe live zu sehen sollte diese Möglichkeit unbedingt nutzen. Die Lyrics kann man hören im wahrsten Sinne des Wortes. Und das ohne auch nur ein Wort Englisch zu verstehen.

Das letzte Foto zeigt mich. Nur indirekt. und es macht deutlich, dassVoyeurismus angeboren zu sein scheint .

Man wähnt sich in der einen Rolle und ist plötzlich das Objekt selbst ….bewusst oder ganz heimlich. Oder wurde gar nicht ich, sondern mein Beobachten beobachtet ?

Eben eine Frage der Perspektive….

Ich bin ein Voyeur. Und was machst du hier ? ? ?

R.I.P. DIE ÖFFENTLICHEN WIE DIE HEIMLICHEN

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Glücklich werden, sein, bleiben….

Wahrscheinlich ist Glück für jeden ein bisschen was anderes und doch scheint es eine Art gesellschaftlichen Konsens darüber zu geben was uns glücklich macht.
Ausserdem macht es den Anschein, dass das Glück ein recht eigensinniges Wesen ist.
Einer streunenden Katze gleich folgt es unergründlichen Launen, kommt und geht wann es will nur um dann ebenso leise zu verschwinden wie es gekommen ist.
Gestern noch …
… beim Anblick dieser Schuhe, der frisch geputzten Wohnung habe ich genau gespürt, dass es da war.
… bei der Tafel Schokolade die ich verspeist hab als es draussen ziemlich ungemütlich war da war ich auch glücklich, denke ich.
Warum machen uns einige Dinge temporär glücklich und ein anderes mal vermögen sie es plötzlich nicht mehr uns dieses besondere, warme Gefühl zu zaubern?
Schlimmer noch. Warum macht der verflixte Glücksbringer von gestern heute genau das Gegenteil mit mir? Denn beim Gedanken an ein Stück Schokolade will heute keine wirkliche Freude aufkommen.
Glück scheint also keiner Regel zu folgen. Es gibt wohl nichts, was uns immer und in gleicher Weise glücklich macht…
Weder die Lieblingsband, noch der Lieblingsfilm oder das Lieblingsessen, ja nicht einmal Familie oder Freunde…

Aber ein wenig locken lässt sich das Mistvieh Glück dann eben doch

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Bei meinem letzen London Aufenthalt im Frühsommer war ich glücklich . Glücklich über einen flüchtigen Moment.

Noch glücklicher war ich, als ich es geschafft hatte, diesen Moment mit meiner Kamera einzufangen und es war Glückssache, dass genau noch für diesen einen Moment Platz auf dem Film      war.

Eine Stunde später hatte mich das Mistvieh im Stich gelassen und meine Kamera wurde mir irgendwo vorm Naturkundemuseum gestohlen.  Doch zum Glück hatte ich den Film bereits gewechselt.

Nachdem der Film entwickelt war, war ich so glücklich über das Ergebnis, dass ich mir das Bild an die Wand hängte.

Immer mal wieder, wenn ich es anschaute, war da wieder ein Stück vom Glück dieses vergangenen Moments und Freude über das wirklich gelungene Foto.

Plötzlich hatte ich das starke Bedürfnis diesen Moment mit denen zu teilen mit denen ich ihn damals erlebt hattte.                       

                                                Einem Stoffpapagei, einem Punk und einem ca. fünf  Jahre alten Mädchen.

 

 

Nur das Einfangen gestaltet sich schwieriger  …

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Oder ist es evtl. doch möglich drei Fremde, die man in einem fremden Land in einer riesigen Stadt getroffen hat zu finden , die eine fremde Sprache sprechen und vielleicht selbst dort fremd waren an diesem Ort?

Zugegeben …Die Chancen sind verschwindend gering.

Das dachte ich mir viele Wochen auch, dennoch liess mich der Gedanke evtl. auch die drei mit dem Foto glücklich machen zu können einfach nicht mehr los. Es mag schier unmöglich sein, NORMALOS wie die meisten von uns es sind zu finden. Aber es muss doch möglich sein Menschen wiederzufinden die ungewöhnlich sind?

Das Trio, das ich finden wollte war ungewöhnlich… sogar für eine Stadt wie London.

Lange wusste ich nicht wo ich ansetzen sollte, doch dann kam mir der Gedanke er könnte doch Angesteller eines Tattooladens in der Strasse sein wo ich das Bild aufgenommen hatte ??

Dort stehen ständig Punks und werben um Kundschaft für diesen Laden. Sollte er nicht dort arbeiten, wäre es doch möglich, dass man ihn zumindest dort kennt, denn die Szene scheint mir recht eingeschworen zu sein.

Leider wusste ich nicht wie ich das anstellen sollte wenn ich nicht das Risiko eingehen wollte, dass ich Ärger bekomme da ich das Foto ja nicht veröffentlichen darf ohne Einverständnis.

Dann suchte ich nach weiteren Möglichkeiten ihn zu beschreiben und wurde auf seine Lederjacke aufmerksam und googelte den Schriftzug .

Eine Band.

Eine Punkband.

Nun hatte ich das gleiche Problem wie bei den Leuten vom Laden.. ich durfte das Foto ja nicht verwenden um die Band um Hilfe zu bitten. Oder sollte ichs riskieren mich auf mein Mistvieh verlassen und ein unautorisierte Fotografie veröffentlichen ????

Noch dazu auf dieser ein Kind direkt im Fokus liegt ….

Ich gab meine Mission für eine Weile auf, kramte aber immer mal wieder im spärlichen Infomaterial im Netz, das es von der Band gab.

Das Mistvieh ist zurück …. ER IST DIE BAND, bzw der Sänger 

Ich hatte ihn auf einem Foto ihrer myspace Seite erkannt und konnte mein Glück kaum fassen.

Vor ein paar Tagen habe ich ihn angeschrieben , ihm diese Geschichte erzählt und warte gespannt auf eine Reaktion . Wenn ich Glück habe glaubt er nicht ich sei eine Irre und meldet sich.

Wenn ich noch mehr Glück habe mache ich ihnen mit dem Bild eine Freude und hab noch mehr Anlass zum Glücklichsein

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“Wissen Sie, das Glück ist wie die Tour de France. Man wartet so lange, und dann rast es vorbei.”  die fabelhafte Welt der Amelie

amelie

 

Das Mistvieh will gejagt werden auf was wartest du??

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